Testamentsauslegung: Wie wird der Nachlass aufgeteilt, wenn im Testament die Aufteilung nur teilweise geregelt ist?

 

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

In einem Testament war verfügt: „Mein Bruder soll den größeren Teil meines Geldes haben…“ Die Erblasserin hinterließ nur Geld. Mehr war nicht geregelt? Was sollte der größere Teil sein? Was sollte mit dem Rest geschehen? Das Landgericht München sprach dem Bruder die Hälfte des Geldvermögens zu  Die andere Hälfte ging an die gesetzlichen Erben (ohne den Bruder, der auch zu den gesetzlichen Erben gehörte). Eine Aufstockung über 50 Prozent – und sei es auch nur um ein Tausendstel – hielten die Richter für willkürlich. Dass er mindestens die Hälfte erhalten sollte, erschien ihnen dagegen als sicher.

Das Landgericht München entschied:

Die letztwillige Verfügung, „X soll den größeren Teil meines Geldes haben”, kann dahin auszulegen sein, daß der Bedachte die Hälfte des Nachlasses erben soll. Bezüglich der anderen Hälfte des Nachlasses, über die der Erblasser nicht verfügt hat, tritt gemäß § 2088 II BGB gesetzliche Erbfolge ein, wobei der zum Kreis der gesetzlichen Erben zählende Bedachte nicht mehr zu berücksichtigen ist.

Entscheidung des LG München I vom 8.7.1998 – 16 T 9691/97

§ 2084 BGB Auslegung zugunsten der Wirksamkeit
Lässt der Inhalt einer letztwilligen Verfügung verschiedene Auslegungen zu, so ist im Zweifel diejenige Auslegung vorzuziehen, bei welcher die Verfügung Erfolg haben kann.

§ 2088 BGB Einsetzung auf Bruchteile

(1) Hat der Erblasser nur einen Erben eingesetzt und die Einsetzung auf einen Bruchteil der Erbschaft beschränkt, so tritt in Ansehung des übrigen Teils die gesetzliche Erbfolge ein.

(2) Das Gleiche gilt, wenn der Erblasser mehrere Erben unter Beschränkung eines jeden auf einen Bruchteil eingesetzt hat und die Bruchteile das Ganze nicht erschöpfen.

 

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