Testament machen: Wie geht das?

 

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

1. Wie errichtet man ein Testament?

Der Errichtende muss zunächst testierfähig sein. Dies ist jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und der nicht wegen einer krankhaften Störung der Geistestätigkeit, wegen Geistesschwäche oder wegen Bewusstseinsstörung außer Stande ist, die Bedeutung einer von ihm abgegebenen Willenserklärung einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Die Errichtung eines Testaments ist ein höchstpersönliches Rechtsgeschäft. Der Erblasser kann diese Aufgabe daher nicht einem Dritten übertragen. Ein minderjähriger Erblasser braucht aber auch nicht die Zustimmung eines gesetzlichen Vertreters und der gesetzliche Vertreter kann nicht für einen Testierunfähigen tätig werden. Der Erblasser muss sein Testament also selbst errichten. Die Form des Testaments hängt von dessen Art ab.

Beim öffentlichen Testament erklärt der Erblasser dem Notar gegenüber mündlich seinen letzten Willen. Der Notar schreibt diesen nieder. Der Erblasser kann dem Notar aber auch eine offene oder verschlossene Schrift mit der Erklärung übergeben, dass die Schrift seinen letzten Willen enthält. Ein des Lesens Unkundiger kann sein Testament nur durch eine Erklärung gegenüber dem Notar errichten. Testiert der Erblasser durch Übergabe einer Schrift an den Notar, so muss diese Schrift nicht vom Erblasser selbst geschrieben und unterschrieben sein, er kann die Formulierung und Anfertigung der Schrift sogar einem Dritten überlassen. Er muss den Inhalt aber kennen und sie als seinen letzten Willen betrachten.

Bei einem eigenhändigen Testament ist erforderlich, dass der Erblasser den gesamten Text des Testaments handschriftlich verfasst und diesen Text unterschreibt. Maschinell verfasste Textteile gelten als nicht geschrieben. Ob dadurch die Gültigkeit der eigenhändig vom Erblasser niedergeschriebenen Teile unberührt bleibt, richtet sich danach, ob dies vom Erblasser gewollt ist. Dies gilt regelmäßig, wenn die maschinenschriftlichen Teile nur zur Erläuterung der handschriftlich verfassten Verfügung dienen.

In bestimmten Notsituationen ist ein Nottestament möglich. Dieses muss vor dem Bürgermeister oder vor drei Zeugen erklärt werden. Der Bürgermeister muss zu der Beurkundung zwei Zeugen zuziehen, allerdings niemanden der in dem zu beurkundenden Testament bedacht oder zum Testamentsvollstrecker ernannt wird. Die Niederschrift muss immer auch von den Zeugen unterschrieben werden. Ein Nottestament gilt als nicht errichtet, wenn seit der Errichtung drei Monate verstrichen sind und der Erblasser noch lebt.

 2. Kann ein Minderjähriger ein Testament errichten?

Ja. Minderjährige müssen ihren Willen aber in einem öffentlichen Testament bekunden. Dabei muss entweder die Form der Erklärung zur Niederschrift des Notars oder die Form der Übergabe einer offenen Schrift wählen können.

3. Wie wichtig ist die Unterschrift unter einem Testament?

Beim eigenhändigen Testament ist eine Unterschrift zwingend geboten. Sie muss grundsätzlich am Schluss der Urkunde stehen, um den Text so abzuschließen, dass spätere Zusätze ausgeschlossen sind. Sollte aus Gründen des Platzmangels eine Unterschrift unter dem Text nicht möglich sein, so darf sie ausnahmsweise auch neben oder oberhalb des Textes angebracht werden. Die Unterschrift soll dem Vor- und Familiennamen des Erblassers enthalten. Das Gesetz lässt es aber auch zu, dass der Erblassers in anderer Weise unterschreibt, wenn diese Unterzeichnung zur Feststellung der Urheberschaft des Erblassers und der Ernstlichkeit seiner Erklärung ausreicht. Beispielsweise genügt die Unterschrift mit dem Vornamen und beigefügten Verwandtschaftszusatz (Eure Tante Frieda) oder lediglich mit der Verwandtschaftsbezeichnung (Mama, Papa). Ort und Zeit müssen nicht zwingend beigefügt werden, das Fehlen dieser Angaben kann aber zur Ungültigkeit des Testaments führen, wenn sich die notwendigen Feststellungen über Zeit und Ort der Errichtung anderweitig nicht treffen lassen.

4. Privates Testament

Der Erblasser kann ein Testament durch eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten. Dabei soll er angeben, zu welcher Zeit und an welchem Ort er es niedergeschrieben hat. Die Unterschrift soll den Vornamen und den Familiennamen des Erblassers enthalten.

Absolut zwingend sind daher die eigenhändige Niederschrift und Unterschrift. Die Verwendung von Schreibmaschine, Computer oder Vordrucken ist damit unzulässig und machen das Testament nichtig.

Die Unterschrift soll aus Vor- und Zunamen bestehen. Unterschreibt der Erblasser in anderer Weise, z. B. „Eure Oma“, so reicht dies nur aus, wenn an der Urheberschaft des Testaments durch die Oma und auch an der Ernsthaftigkeit der Erklärung keine Zweifel bestehen.

Um derartigen Unsicherheiten von vornherein zu begegnen, sollte ein privatschriftlich errichtetes Testament daher grundsätzlich folgende Merkmale ausweisen.

– eigenhändig geschrieben

– eigenhändig unterschrieben mit Vor- und Zuname sowie Ort und Datum

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, und nur diese, können ein gemeinschaftliches eigenhändiges Testament errichten. Hierzu muss einer der Ehegatten oder Lebenspartner das Testament in der vorstehend näher bezeichneten Form errichten und der andere eigenhändig mit unterzeichnen sowie hierbei Ort und Datum angeben.

5. Notarielles Testament

Ein notarielles, oder auch „öffentliches“ Testament genannt, wird zur Niederschrift eines Notars in der Form errichtet, in dem der Erblasser seinen letzten Willen mündlich erklärt oder dem Notar eine Schrift mit der Erklärung übergibt, dass die Schrift seinen letzten Willen enthalte.

Der Regelfall ist, dass ein Erblasser mündlich zu Protokoll des Notars seinen letzten Willen erklärt.

Die Übergabe einer Schrift, die „offen“, aber auch „verschlossen“ sein kann, hat nur eine untergeordnete Bedeutung. Insbesondere vor der Übergabe einer „verschlossenen“ Schrift wird gewarnt, da der Notar in diesem Fall zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet ist, den Erblasser über den Inhalt zu befragen und ihn auf mögliche rechtliche Bedenken hinzuweisen.

 

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