Quotenvermächtnis: „Mein Enkel bekommt zehn Prozent von meinem Geldvermögen“

Quotenvermächtnis. Erklärt von Fachanwalt Gerhard Ruby, Spezialist für Erbrecht.

Quotenvermächtnis – Was ist das?

Ein Vermächtnis ist zunächst ein Recht gegen die Erbengemeinschaft. Setzt zum Beispiel der Erblasser seine beiden Kinder zu Erben ein, vermacht aber dem Enkel seinen PKW, dann hat der Enkel das Recht, von den Erben das Auto zu fordern. Das wäre dann als ein „Autovermächtnis“. Wie ist das aber mit der Quote. Die Quote ist ein Bruchteil. Es wird also ein Bruchteil vermacht. Das kann zum Beispiel ein Bruchteil von der Erbschaft sein. Hätte der Großvater dem Enkel ein Zehntel des Erbschaftsvermögens vermacht, dann hätte der Enkel das Recht gehabt 1/10 des Nachlasswertes zu verlangen. Die Quote kann sich natürlich auch auf einzelne Gegenstände beziehen, z.B. auf das Geldvermögen. Der Großvater hätte auch in das Testament schreiben können, dass sein Enkel die Hälfte seine Geldvermögens im weitesten Sinne, also Bargeld und Buchgeld, wie Bankguthaben, Wertpapiere etc. bekommt. Das Quotenvermächtnis am Kapitalvermögen dürfte die beliebteste Form des Quotenvermächtnisses sein.

Vorteil des Quotenvermächtnisses

ist es, dass es gleichgültig ist, wie sich das Vermögen von der Testamentserrichtung bis zum Tod verändert. Der Bedachte bekommt immer seine feste Quote. Verkleinert sich das Geldvermögen bekommt der Enkel eben weniger, wächst es an, bekommt er mehr.

Was ist mit den Schulden?

Wenn der Vermächtnisnehmer einen Prozentsatz an der Erbschaft oder am Geldvermögen bekommt, entsteht oft Streit. Bekommt er seinen Anteil vor oder nach Abzug der Nachlasschulden? Das sollte im Testament also immer geregelt werden. Ohne eindeutige Regelung im Testament gilt das, was sich der Testator bei der Testamentserrichtung dachte. Wer weiß das aber schon? Oder hat er sich möglicherweise gar keine Vorstellung über etwaige Schulden im Todeszeitpunkt gemacht?

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